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Zulassungsbehörde uneinig über die weitere Zukunft von Qnexa

21 Februar 2012, 10:48

Die Gewichtsreduktionspille Qnexa, ein Kombipräparat aus Phentermin und Topiramat, hilft zwar Übergewichtigen abzunehmen, hat aber in den Studien auch eine höhere Zahl von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten bei Babies gezeigt, deren Mütter während der Schwangerschaft Topiramat eingenommen hatten.

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Qnexa hat gute Chancen ein neuer Blockbuster zu werden

Morgen Mittwoch wird das Beratungskommitee der Abteilung für Endokrinologie und Metabolische Erkrankungen der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA zusammenkommen, um über die weitere Zukunft der Diätpille Qnexa zu entscheiden.

Das ist dieselbe Behörde, die sich 2010 bereits einmal gegen die Zulassung der Kombipille ausgesprochen hat. Die FDA selbst hat Qnexa kurz nachdem Entscheid der Beratungskommission unter Berufung auf das ungeklärte Herz-Kreislaufrisiko abgewiesen. Ausserdem, so die FDA damals, gäbe es nicht genügend Daten zur Gefährlichkeit von Phentermin und Topiramat während der Schwangerschaft.

Seither wurden neue Studien zur Teratogenität von Topiramat, einer der Bestandteile von Qnexa, publiziert. Das FDA Beratungsgremium wird daher von Neuem zusammentreffen, um darüber zu entscheiden, ob der Nutzen der Diätpille die potentiellen Risiken überwiegt.

Das Kombipräparat Qnexa hat in Studien zeigen können, dass Übergewichtige durchschnittlich sechs bis zehn Prozent Körpergewicht verlieren konnten, eine Tatsache, die einen der Mitglieder der Beratungskommission dazu veranlassten zu sagen, es sei das bei weitem beste Präparat, das auf dem Markt erhältlich wäre. Trotzdem überwogen bislang bei den Mitgliedern der Beratungskommission die Bedenken bezüglich der Sicherzeit von Qnexa.

Im Brief, den die FDA an Vivus, den Hersteller von Qnexa, sandte, rechtfertigte sie den negativen Entscheid damit, dass zu wenig Daten zur Sicherheit der Kombipille im Zusammenhang mit Herz-Kreislauferkrankungen erhältlich wären und dass das unklar sei, welchen Effekt die Pille auf die Schwangerschaft ausüben würde.

Vivus strebt eine Zulassung für adipöse Patienten an, die einen Body-Mass Index (BMI) von 30 oder mehr haben oder für übergewichtige Patienten mit einem BMI von 27 und einer zusätzlichen Erkrankung aus dem metabolischen Bereich, wie Bluthochdruck, Diabetes, Dyslipidämie oder übermässiges Bauchfett.

Qnexa ist ein Kombipräparat aus Phentermin, einem Appetitzügler und Topiramat, einem ursprünglichen Epilepsiepräparat, das mittlerweile auch als Migräne-Therapeutikum Schlagzeilen gemacht hat. Topiramat erhöht den Grundumsatz und verhilft so dem Übergewichtigen, mehr Fett zu verbrennen.

Die Zulassung eines Kombipräparat mit  bereits zugelassenen Inhaltsstoffen muss gesondert von der FDA betrachtet werden, da eine Kombination der Wirkstoffe oftmals nicht das gleiche Nebenwirkungspotential hat, wie die einzelnen Wirkstoffe für sich.

Bei Phentermin sind es vor alle die Bedenken zum Herz-Kreislaufrisiko, das der FDA Kopfzerbrechen bereitet, war doch Phentermin einer der Bestandteile der berühmt-berüchtigten Kombipille Fen-Phen, die zu Veränderungen an den Herzklappen geführt hat. Fen-Phen wurde in der Konsequenz 1997 wieder vom Markt genommen – nur sechs Monate nachdem es zugelassen worden war.

Bezüglich des Herz-Kreislaufrisikos von Qnexa liegen zurzeit keine schlüssigen Daten vor. Es scheint aber, dass Blutdruck und andere Herz-Kreislaufparameter sich ähnlich Verhalten, wenn die Patienten das Kombipräparat schlucken, wie wenn sie das Placebo erhalten.

Das Komitee wies aber in einem Begleitschreiben an die FDA darauf hin, dass es bis jetzt unklar sein, wie eine Population von Leuten mit einem erhöhten Herz-Kreislaufrisiko, wie sie Übergewichtige darstellen, auf das Präparat reagieren würden. Eine Antwort auf diese Frage könnte nur durch eine Langzeitstudie erwartet werden.

Während der Studien wurden 34 Frauen schwanger, obwohl sie dazu angehalten wurden, zwei verschiedene Formen der Kontrazeption zu benutzen und ausserdem zu einem monatlichen Schwangerschaftstest aufgeboten wurden. Dreizehn der Frauen trugen die Schwangerschaft aus, ohne dass es zu besonderen Vorkommnissen gekommen wäre. Während der ersten Debatte über eine Zulassung von Qnexa, äusserten die Komitee-Mitglieder Bedenken, weil das Medikament an Millionen von Frauen im gebärfähigen Alter abgegeben würde. Ausserdem hatte eine Studie mit Topiramat-Monotherapie gezeigt, dass es zu einer höheren Rate an kongenitalen Missbildungen bei den Frauen kam, die das Präparat einnahmen, im Vergleich zur Placebo-Gruppe (3,8% vs. 1.3%).

Als Reaktion auf diese Bedenken, schlug Vivus vor, das Produkt nur bei Frauen zu vermarkten, die nicht im gebärfähigen Alter wären, oder solchen, die aus biologischen oder anderweitigen Gründen keine Kinder bekommen könnten. Die FDA wies diesen Plan aber als unrealistisch zurück, in Anbetracht der Tatsache, dass beinahe 36% der amerikanischen Frauen übergewichtig sind und dass der grösste Markt für Diätpillen gerade bei jenen Frauen zu finden ist, die im gebärfähigen Alter sind.

Trotzdem hält Vivus an seiner Empfehlung für das Produkt fest. Gemäss Vivus braucht der Markt eine Diätpille, weil die einzige bislang wissenschaftlich gut untersuchte Behandlung, die den Patienten zu einem Gewichtsverlust von 5% oder mehr verhilft, die bariatrische Chirurgie (Magenband, Magen-Bypass) sei. Im Vergleich dazu stellten die Bedenken der FDA bezüglich des Gesundheitsrisikos von Qnexa kein „unüberwindbares Hindernis“ dar.

Weiterführende Literatur:

Vivus Drops as Diet Drug Ingredient Affiliated With Defects

OBESITY: CVD Risk Cut With Rejected Weight-Loss Drug

Neue Diätpille soll kommen – aber nicht in den USA

Neue Diätpille: Gewichtsverlust und Blutdrucksenkung in Einem

FDA verweigert neuer Diätpille Qnexa die Marktzulassung

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Gespeichert unter Medikamentöse Gewichtsreduktion Tagged bedenken, fda, frauen, herz, kombipräparat, phentermin, Qnexa, topiramat
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